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Nutzen und Risiken von Äpfeln mit Pestiziden


Viele grüne Äpfel

Die Komplexität der Ernährung: Zwischen Nutzen und Risiken von Äpfeln mit Pestiziden

Äpfel gelten als eine der beliebtesten und gesündesten Früchte, reich an Vitaminen, Ballaststoffen und Antioxidantien. Doch die Entscheidung, Äpfel trotz der Pestizide zu konsumieren, um von ihren gesundheitlichen Vorteilen zu profitieren, oder sie aufgrund der potenziellen Risiken zu meiden, wirft eine komplexe Debatte auf, die eine sorgfältige Abwägung der verschiedenen Faktoren erfordert.


Nutzen des Verzehrs von Äpfeln:

Studien haben wiederholt gezeigt, dass der regelmäßige Verzehr von Äpfeln mit einem verringerten Risiko für Herzkrankheiten, Schlaganfall, Diabetes und bestimmte Krebsarten verbunden ist. Die wertvollen Nährstoffe in Äpfeln, einschließlich Vitaminen wie Vitamin C, Vitamin A, den B Vitaminen sowie Ballaststoffe und Antioxidantien, spielen eine entscheidende Rolle für die Förderung der allgemeinen Gesundheit und des Wohlbefindens.


Risiken des Verzehrs von Äpfeln mit Pestiziden:

Auf der anderen Seite können konventionell angebaute Äpfel Pestizidrückstände enthalten, die potenziell gesundheitsschädlich sind. Einige Pestizide stehen im Verdacht, krebserregend zu sein oder das Risiko anderer Gesundheitsprobleme wie neurologische Störungen oder Fortpflanzungsprobleme zu erhöhen.


Forschungsergebnisse:

Die Forschung ist vielfältig und es gibt Studien, die sowohl die Vorteile als auch die potenziellen Risiken des Verzehrs von Äpfeln mit Pestiziden beleuchten. Eine Studie der Harvard T.H. Chan School of Public Health ergab beispielsweise, dass der Nutzen des Verzehrs von Obst und Gemüse, einschließlich Äpfeln mit Pestizidbelastung, die potenziellen Risiken überwiegt.


Gegenstudien und kontroverse Erkenntnisse:

Es gibt auch Studien, die Bedenken hinsichtlich der langfristigen Auswirkungen von Pestiziden auf die Gesundheit aufzeigen. Eine Studie, die in Environmental Health Perspectives veröffentlicht wurde, untersuchte beispielsweise die Zusammenhänge zwischen dem Verzehr von konventionell angebautem Obst und Gemüse mit Pestizidrückständen und dem Risiko für Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörungen (ADHS) bei Kindern. Eine andere Studie, veröffentlicht in JAMA Internal Medicine, ergab einen Zusammenhang zwischen dem Verzehr von Obst und Gemüse mit höheren Pestizidrückständen und einem erhöhten Risiko für Krebs.


Hier sind einige legale Pestizide, die eingesetzt werden dürfen, sowie ihre potenzielle Wirkung auf den Menschen und ihre Kontroversen:


Thiabendazol:

Thiabendazol ist ein Fungizid, das häufig zur Kontrolle von Pilzinfektionen auf Obst und Gemüse verwendet wird. Es kann bei hoher Exposition oder übermäßiger Aufnahme zu Reizungen der Haut, der Augen und der Atemwege führen. In einigen Fällen können allergische Reaktionen auftreten. Langfristige Exposition kann auch Auswirkungen auf die Leber und die Nieren haben. Ist ein Produkt mit Thiabendazol konserviert, wird dies häufig gekennzeichnet und die Schale dieser Produkte ist nicht essbar. Ein Beispiel hierfür sind Zitronen. Wer also die Schale dieser Früchte zum Verarbeiten nutzen möchte, sollte auf Bioprodukte ohne dieses Pestizid setzen.


Captan:

Captan ist ein breit wirksames Fungizid, das zur Bekämpfung von Schimmelpilzen und anderen Pilzinfektionen eingesetzt wird. Kurzfristige Exposition kann zu Reizungen der Haut, der Augen und der Atemwege führen. In einigen Fällen wurden allergische Reaktionen beobachtet. Langfristige Exposition kann zu Leberschäden führen und das Krebsrisiko erhöhen.


Verbotene, in der Vergangenheit genutzte Pestizide:

Diazinon:

Diazinon ist ein weiteres Insektizid, das zur Schädlingsbekämpfung auf Äpfeln verwendet wurde. Kurzfristige Exposition kann zu Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen und Atembeschwerden führen. Langfristige Exposition kann das zentrale Nervensystem beeinträchtigen, Leberschäden verursachen und das Risiko von Krebserkrankungen erhöhen. Es gilt als eines der schädlichsten Pestizide und ist seit 2007 in der EU verboten.


Chlorpyrifos:

Chlorpyrifos ist ein Insektizid, das bei längerer Exposition oder übermäßiger Aufnahme das zentrale Nervensystem schädigen kann. Es kann zu Symptomen wie Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Krampfanfällen und in schweren Fällen sogar zu Atembeschwerden, Bewusstseinsverlust und Tod führen. Langfristige Exposition kann zu neurologischen Entwicklungsstörungen bei Kindern führen. Dieses ist seit 2020 in der EU verboten, da es Studien zufolge zu Schäden in der Hirnentwicklung von Kindern führen kann. Nach Angaben der Bundesrepublik befinden sich seit 2011 keine Produkte mit Chlorpyrifos auf den deutschen Märkten.


Imazalil:

Imazalil ist ein weiteres Fungizid, das zur Verhinderung von Pilzwachstum auf Äpfeln eingesetzt wurde. Kurzfristige Exposition kann zu Reizungen der Haut, der Augen und der Atemwege führen. Es kann auch zu Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit und Erbrechen führen. Langfristige Exposition oder hohe Dosen können das zentrale Nervensystem beeinträchtigen und zu Leberschäden führen. Bereits 2013 warnte „Greenpeace“ vor den möglichen Schäden wie Krebs und Einschränkung der Fruchtbarkeit; seit 2023 ist die Nutzung verboten.

Extra oder so: Um nochmals die Kontroverse um Pestizide zu betonen, schauen wir uns das viel genutzte Pestizid Glyphosat an. Auch wenn es nicht direkt etwas mit Äpfeln zu tun hat, gibt es eine Einsicht in die Bedenklichkeit der Pestizide.

Laut der WHO (2015) steht es im verdacht Krebserregend zu sein und Missbildungen in Neugeborenen auszulösen. 

Die EU-Lebensmittelbehörde beurteilte 2018 die Studienlage als unzureichend, solange die Belastung der Bevölkerung nicht die Grenzwerte überschreitet, ist es für weitere 5 Jahre zugelassen. Die derzeit gültige Pflanzenschutzanwendungsverordnung sah ein nationales Glyphosatverbot ab dem 1. Januar 2024 vor. Aufgrund einer erneuten Genehmigung des Wirkstoffs durch die EU-Kommission ist dieses Verbot jedoch europarechtswidrig. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) wird daher die Verordnung anpassen, indem es sie aktuellen Regeln zur Anwendung beibehält und das Verbot dem EU-Recht entsprechend verschiebt. In einem aktuellen Statement übt Peter Clausing, ein renommierter Toxikologe vom Pestizid Aktions-Netzwerk (PAN Germany), heftige Kritik an der Entscheidung der EU-Kommission, Glyphosat erneut zu genehmigen. Clausing betont, dass trotz zahlreicher Beweise für die schädlichen Auswirkungen von Glyphosat auf die menschliche Gesundheit und das Ökosystem, die EU-Behörden diese ignoriert haben. Besonders schwer wiegt für Clausing der Vorwurf, dass die EU-Behörden die Beweislage bezüglich der Krebsrisiken von Glyphosat verzerrt haben, um zu dem Schluss zu kommen, dass der Wirkstoff nicht krebserregend sei. Darüber hinaus verweist er auf wissenschaftliche Erkenntnisse, die negative Auswirkungen von Glyphosat auf das Mikrobiom und das Nervensystem belegen, welche bei der Entscheidungsfindung nicht berücksichtigt wurden. Trotz fehlender qualifizierter Mehrheit unter den Mitgliedstaaten hat die EU-Kommission am 28. November 2023 die Genehmigung von Glyphosat um weitere zehn Jahre verlängert. Diese Entscheidung überlässt den Mitgliedstaaten die Verantwortung, besondere Anwendungsbeschränkungen für glyphosathaltige Pestizidprodukte zu erlassen.


Der bekannte Pharmakonzern Bayer, als Teil der Glyphosate Renewal Group (GRG), hat sich wiederholt zu der Position bekannt, dass Glyphosat nicht krebserregend ist und keine erbgutverändernde Wirkung hat. Dies wurde durch umfangreiche wissenschaftliche Studien und Bewertungen gestützt, die von verschiedenen Behörden und Expertengremien durchgeführt wurden. Die GRG hat betont, dass Glyphosat gemäß den vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnissen kein akutes oder chronisches Risiko für Verbraucher darstellt, die Nutzpflanzen behandeln, die mit Glyphosat behandelt wurden. Diese Schlussfolgerungen wurden durch die Neubewertung des Wirkstoffs durch die Assessment Group on Glyphosate (AGG) und die darauf folgende Risikobewertung der European Food Safety Authority (EFSA) gestützt.


Fazit:

Die Komplexität der Ernährung zeigt sich in der Debatte über Äpfel mit Pestiziden. Während Bioprodukte oft als die beste Option angesehen werden, bieten konventionell angebaute Produkte weiterhin wichtige Nährstoffe. Es ist wichtig, sich bewusst zu sein, dass die Entscheidung für oder gegen den Verzehr von Äpfeln mit Pestiziden eine persönliche Wahl ist, die auf einer Abwägung der individuellen Gesundheitsziele, des Budgets und der Risikofaktoren basiert. Besonders die Glyphosat-Kontroverse sollte dazu anregen, Pestiziden gegenüber kritisch zu stehen. In der Vergangenheit entpuppten sie sich häufig als gesundheitsschädigend und wurden erst mehrere Jahre später verboten. Die Wissenslage ist unschlüssig und die Experten sind über die Auswirkungen uneinig. Wer die Wahl hat, sollte vorsichtshalber zu Bioprodukten greifen oder seinen Pestizidkonsum zumindest begrenzen.




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